Fachanwalt Familienrecht Chemnitz: Gemeinsame elterliche Sorge – Wille des Kindes

Braucht die gemeinsame elterliche Sorge die Zustimmung des Kindes?

Familienrecht:

Ja, unter bestimmten Umständen! Das Oberlandesgericht Bremen hat entschieden, dass ein Antrag auf gemeinsame elterliche Sorge scheitern kann, wenn das Kind das gemeinsame Sorgerecht der Eltern ablehnt.

In dem entschiedenen Fall hatten sich die nicht miteinander verheirateten Eltern getrennt. Die Mutter, in deren Haushalt das 11jährige Kind seit der Trennung lebte, war allein sorgeberechtigt. Der Vater, der ebenfalls eingebunden werden wollte, begehrte sodann die gemeinsame elterliche Sorge für das Kind. Hiergegen wendete sich die Mutter.

Der Vater hat gemäß § 1626 a ABS. 2 BGB einen Anspruch auf Mitbegründung der elterlichen Sorge, wenn dies dem Kindeswohl nicht widerspricht.

Im Zweifel kann der Antrag des Vaters zurückgewiesen werden, wenn sich das am Verfahren zu beteiligende Kind nachhaltig und ernsthaft dagegen ausspricht. Hierbei ist nicht nur das persönliche Empfinden des Kindes zu berücksichtigen, sondern auch wie die Eltern mit dieser Ablehnung umgehen. So verhielt es sich im entschiedenen Fall. Das Kind sprach sich vehement gegen die Miteinräumung der elterlichen Sorge aus. Es betrachtete den Vater als „Störenfried“ und nahm es diesem übel, dass er versuchte, die bestehende Situation zu ändern. Der Vater beachtete die Bedürfnisse des Kindes nicht. Dieser Kindeswille, der mit dem Kindeswohl eng in Zusammenhang steht, sei bei der Entscheidung zu berücksichtigen. Auch der Umstand, dass die Eltern unterschiedliche Erziehungsziele verfolgten und sich nicht über die Belange des Kindes austauschten, sei für das Kind nachteilig. Die Miteinräumung der elterlichen Sorge widersprach daher dem Kindeswohl. Der Antrag des Vaters hatte daher keinen Erfolg. (OLG Bremen zu Az. 5 UF 110/16)

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